Versicherungen kosten Geld. Dieser Überblick gibt nur die Einordnungen von Verbraucherzentrale, Stiftung Warentest und BaFin wieder und ist keine Einzelfallberatung. Laut einer Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen fehlt vielen Menschen eine wichtige Absicherung (Details unten).
Kurzantwort: Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest fragen, ob ein Schaden existenzbedrohend wäre oder sich aus eigener Tasche tragen ließe. Gesetzlich vorgeschrieben sind nur wenige Versicherungen, etwa die Krankenversicherung und für Fahrzeughalter die Kfz-Haftpflicht. Als besonders wichtig nennen beide Quellen die Privathaftpflicht und die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Stiftung Warentest für Eigentümer zusätzlich die Wohngebäudeversicherung. Vieles andere halten die Quellen nur je nach Lebenslage für sinnvoll oder meist für verzichtbar.
Welche Versicherungen braucht man per Gesetz?
Die Stiftung Warentest (Stand Juli 2026) nennt die Krankenversicherung, die Autohaftpflicht und in einigen Bundesländern die Hundehalter-Haftpflicht. Die gesetzlichen Grundlagen:
- Kfz-Haftpflicht: Fahrzeughalter müssen nach § 1 PflVG eine Haftpflichtversicherung für Schäden durch den Gebrauch des Fahrzeugs abschließen. Ohne sie wird laut Verbraucherzentrale kein Fahrzeug zugelassen.
- Krankenversicherung: Nach § 193 VVG muss jede Person mit Wohnsitz im Inland eine Krankheitskostenversicherung haben, die mindestens ambulante und stationäre Heilbehandlung umfasst.
- Pflegeversicherung: Gesetzlich Versicherte sind automatisch in der sozialen Pflegeversicherung. Wer privat krankenversichert ist, muss nach § 1 SGB XI eine private Pflegeversicherung abschließen.
- Hundehalter-Haftpflicht: Eine Versicherungspflicht für alle Hunde nennt die Stiftung Warentest für Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Anderswo gilt sie oft nur für gefährliche Hunde. Mehr dazu in unserem Artikel zur Tierhalterhaftpflicht.
Die private Haftpflichtversicherung ist dagegen freiwillig. Die BaFin schreibt, dass sie nach ihrer Einschätzung trotzdem jeder haben sollte, weil man mit dem gesamten Vermögen haftet.
Wie erkenne ich, welche Versicherung ich brauche?
Die Verbraucherzentrale Hamburg (Stand April 2026) stellt dazu eine Frage: Wäre ein Schaden existenzbedrohend oder aus eigener Tasche tragbar? Daraus ergibt sich eine Rangfolge von unverzichtbar bis überflüssig. Die Stiftung Warentest nennt dieselbe Faustformel: Man solle sich den größtmöglichen Schaden vorstellen; wäre er nicht aus eigener Tasche zu finanzieren, sei die Versicherung sinnvoll.
Die Verbraucherzentrale Hamburg weist außerdem darauf hin, dass für weniger wichtige Policen besonders hohe Provisionen gezahlt werden, für wirklich benötigte nur geringe. Auch wir erhalten bei einem Abschluss über einen unserer Rechner gegebenenfalls eine Provision, mehr dazu unter So vergleichen wir.
Welche Versicherungen gelten als existenziell wichtig?
| Versicherung | Einordnung durch die Quellen |
|---|---|
| Privathaftpflicht | Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest: besonders wichtig, für jeden |
| Berufsunfähigkeit | Beide Quellen: wichtig für alle, die von ihrem Arbeitseinkommen leben |
| Wohngebäude (inkl. Elementarschutz) | Stiftung Warentest: für Immobilienbesitzer, mit Naturgefahrenschutz. Verbraucherzentrale Hamburg: für Eigentümer schwerer Schäden am Haus |
Eine Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen (Oktober 2025, 1.110 Befragte im Alter von 18 bis 69 Jahren) ergab, dass 13 Prozent keine private Haftpflicht und 67 Prozent der Berufstätigen keine private Berufsunfähigkeitsabsicherung haben (Verbraucherzentrale Niedersachsen, Pressemitteilung vom 24. November 2025).
Wie hoch sollte die Deckungssumme der Privathaftpflicht sein?
Die Quellen nennen unterschiedliche Mindestwerte: Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt mindestens 5 Millionen Euro für Sach- und Personenschäden, die Stiftung Warentest für ihren Grundschutz mindestens 10 Millionen Euro pauschal. Der Hintergrund: Wer einem anderen vorsätzlich oder fahrlässig einen Schaden zufügt, ist nach § 823 BGB zum Ersatz verpflichtet. Laut Stiftung Warentest haftet man dafür mit dem gesamten Vermögen und mit dem Einkommen bis zur Pfändungsgrenze, bei Personenschäden können mehrere Millionen Euro entstehen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Privathaftpflicht, für Auszubildende und Studierende auch im Artikel zur Haftpflicht für Studenten und Azubis.
Wer braucht eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Stiftung Warentest rät allen, die von Arbeitseinkommen leben, zu einer Absicherung, möglichst früh, am besten zu Beginn von Studium oder Ausbildung. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht laut Verbraucherzentrale Hamburg meist nicht, die Lebenshaltungskosten zu decken.
Laut Verbraucherzentrale Hamburg sind Unfälle nur in etwa 10 Prozent der Fälle der Grund für eine Berufsunfähigkeit, deshalb ist eine Unfallversicherung kein vollwertiger Ersatz. Laut BaFin genügt meist ein Berufsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent, damit der Versicherer leistet, und eine Rente von bis etwa 60 Prozent des Bruttoeinkommens gilt in der Regel als angemessen. Die BaFin rät, Policen genau zu vergleichen und nicht nur auf den Preis zu achten.
Lohnt sich eine Wohngebäudeversicherung?
Für Immobilienbesitzer nennen die Quellen sie als nicht verzichtbar. Die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt, dass Eigentümer schwere Schäden am Haus mit einer Gebäudeversicherung absichern sollten, und nennt die Elementarschadenversicherung für Eigentümer „sehr empfehlenswert“. Die Stiftung Warentest nennt die Wohngebäudeversicherung für Immobilienbesitzer zusammen mit dem Schutz vor Naturgefahren. Mehr in unserem Ratgeber zur Wohngebäudeversicherung.
Brauche ich Hausrat, Rechtsschutz, Unfall oder Risikolebensversicherung?
- Hausrat: Nach Verbraucherzentrale Hamburg sinnvoll, wenn der Totalverlust durch Feuer, Wasser oder Einbruch nicht aus eigener Tasche getragen werden könnte. Für spartanisch eingerichtete WG-Bewohner ist sie dort in der Regel wenig sinnvoll. Die Stiftung Warentest nennt sie für Haushalte, deren Hausrat einen höheren Wert erreicht. Mehr in unserem Ratgeber zur Hausratversicherung.
- Rechtsschutz: Beide Quellen sehen sie nur mit Einschränkung als sinnvoll. Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt unter anderem, dass Prozesskosten nur bei guten Erfolgsaussichten übernommen werden und manche Bereiche ausgeschlossen sind. Mehr in unserem Ratgeber zur Rechtsschutzversicherung.
- Unfallversicherung: Nach Verbraucherzentrale Hamburg gehört sie nicht zu den wichtigsten Policen. Die Stiftung Warentest nennt sie vor allem für Kinder und Jugendliche ohne Invaliditätsschutz sowie Erwachsene, die keinen Berufsunfähigkeitsschutz bekommen.
- Risikolebensversicherung: Nach Verbraucherzentrale Hamburg und Stiftung Warentest sinnvoll, wenn Angehörige finanziell abhängig sind. Sie zahlt nur im Todesfall.
- Auslandsreise-Krankenversicherung: Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt Policen schon unter 10 Euro pro Jahr und hält sie für alle wichtig, die außerhalb Deutschlands reisen.
- Kasko: Freiwillig. Die Stiftung Warentest hält sie bei älteren Autos meist nicht für empfehlenswert, die Verbraucherzentrale Hamburg sieht die Notwendigkeit abhängig vom Wert des Autos.
Auf welche Versicherungen können die meisten Menschen laut Quellen verzichten?
Als meist verzichtbar nennen die Quellen (Zuordnung jeweils in Klammern):
- Reisegepäck, Handy, Glas, Geräte und Garantieverlängerungen: Der Schaden treibt niemanden in den Ruin, und im Kleingedruckten sind oft bestimmte Fälle ausgeschlossen (Verbraucherzentrale Hamburg, Stiftung Warentest).
- Sterbegeld: Für die meisten zu teuer (Stiftung Warentest). Auch die Verbraucherzentrale nennt es meist entbehrlich.
- Krankenhaustagegeld: Es deckt laut Verbraucherzentrale Hamburg keine existenziellen Risiken ab. Die Stiftung Warentest nennt dafür keine Zielgruppe.
- Insassen-Unfallversicherung: In den allermeisten Fällen überflüssig, weil die Haftpflicht des Unfallverursachers zahlt (Verbraucherzentrale Hamburg).
- Private Arbeitslosenversicherung: Meist entbehrlich (Verbraucherzentrale).
- Kapitallebens- und private Rentenversicherungen: Laut Verbraucherzentrale Hamburg sind Kapitallebensversicherungen intransparent, unflexibel und bei Neuverträgen wenig rentabel; private Rentenversicherungen bieten oft wenig Flexibilität und sind nicht empfehlenswert.
Wie oft sollte ich meine Versicherungen überprüfen?
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt, Versicherungen alle zwei bis drei Jahre zu überprüfen und bei wesentlichen Änderungen der Lebensumstände, etwa bei Auszug, Heirat, Scheidung, Familienzuwachs oder Renteneintritt. Die Stiftung Warentest nennt als Anlässe außerdem neue Verträge mit besserer Leistung, Sparpotenzial und das Aussortieren überflüssiger Policen. Je nach Situation sei eine Prüfung jährlich oder alle drei bis fünf Jahre sinnvoll. Der kostenlose Versicherungs-Check der Verbraucherzentralen gibt eine erste Einschätzung.
Was gilt vor dem Abschluss und beim Widerruf?
Die Verbraucherzentrale rät, Angebote mehrerer Gesellschaften einzuholen und nicht nur die Kosten zu vergleichen, sondern auch jährliche Kündigungsmöglichkeit, Versicherungsumfang und mögliche Ausschlüsse. Laut Verbraucherzentrale nennt das Produktinformationsblatt wesentliche Vertragspunkte wie Prämie, Ausschlüsse, Laufzeit und Beendigung. Den Antrag nie sofort nach dem Vermittlergespräch zu unterschreiben, ist ebenfalls ein Rat der Verbraucherzentrale.
Nach § 8 VVG kann der Versicherungsnehmer die Vertragserklärung innerhalb von 14 Tagen in Textform ohne Begründung widerrufen. Bei Lebens- und Rentenversicherungen nennt die Stiftung Warentest 30 Tage. Wer Krankheiten vorsätzlich verschweigt, um den Versicherer zu täuschen, muss laut Stiftung Warentest damit rechnen, dass der Versicherer den Vertrag noch bis zu zehn Jahre nach Abschluss wegen arglistiger Täuschung anficht.
Fazit
Gesetzlich vorgeschrieben sind nur wenige Versicherungen. Als besonders wichtig nennen Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest die Privathaftpflicht und die Berufsunfähigkeitsversicherung, die Stiftung Warentest für Eigentümer zusätzlich die Wohngebäudeversicherung. Vieles andere hängt von der Lebenslage ab oder gilt als meist verzichtbar. Eine persönliche Empfehlung geben wir nicht, wir sind Tippgeber und bieten weder Beratung noch Vermittlung. Der Vergleichsrechner auf dieser Seite wird von der TARIFCHECK24 GmbH bereitgestellt, bei einem Abschluss erhalten wir gegebenenfalls eine Provision.
Häufige Fragen
Wie viel geben Haushalte für Versicherungen aus?
Die Stiftung Warentest nennt rund 149 Euro im Monat, etwa 1.788 Euro im Jahr, ohne Lebens-, Renten-, private Pflege- und Krankenversicherung. Die Verbraucherzentralen nennen abweichend durchschnittlich mehr als 2.000 Euro (Stand Januar 2025) bzw. 2.500 Euro (Verbraucherzentrale Hamburg, Stand April 2026) pro Jahr, zur Abgrenzung machen sie keine Angaben.
Sind Kinder über die Eltern mitversichert?
Laut Stiftung Warentest sind Kinder in der Haftpflicht der Eltern in der Regel bis zum Ende der ersten Ausbildung mitversichert. Nach den GDV-Musterbedingungen zählt ein unmittelbar anschließender Master dazu, was im Einzelfall als Erstausbildung gilt, entscheidet aber der Versicherer. Die Verbraucherzentrale rät, die Bedingungen der Eltern zu prüfen.
Brauche ich eine Auslandsreise-Krankenversicherung?
Die Verbraucherzentrale Hamburg hält sie für alle wichtig, die außerhalb Deutschlands reisen. Die Stiftung Warentest nennt, dass die gesetzliche Krankenversicherung in Europa die Notfallbehandlung zahlt, bei privater Abrechnung der Klinik aber Reisende auf Kosten sitzen bleiben.
Ist die Privathaftpflicht eine Pflichtversicherung?
Nein, sie ist freiwillig. Eine Pflicht gilt dagegen für die Kfz-Haftpflicht und die Krankenversicherung, in einigen Bundesländern für die Hundehalter-Haftpflicht, siehe oben.
Quellen
- Verbraucherzentrale Hamburg: Welche Versicherung brauche ich wirklich?, Stand April 2026
- Verbraucherzentrale: Zum Start in Ausbildung oder Job, Stand November 2025
- Verbraucherzentrale: Welche Versicherung brauche ich?, Stand Januar 2025
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Versicherungs-Check, Pressemitteilung vom 24. November 2025
- Stiftung Warentest: Welche Versicherungen brauche ich, Stand Juli 2026
- Stiftung Warentest: Versicherungen checken, persönlicher Versicherungscheck, Stand Juli 2026
- Stiftung Warentest: Versicherung je nach Lebenslage, Stand Juli 2026
- Stiftung Warentest: Versicherung abschließen und kündigen, Stand Juli 2026
- BaFin: Haftpflichtversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung
- § 1 PflVG, § 193 VVG, § 8 VVG, § 1 SGB XI und § 823 BGB (Gesetze im Internet)
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