Kurzantwort: Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente springt meist erst bei deutlich schwererer Einschränkung ein. Worauf es bei den Vertragsbedingungen ankommt, erklärt dieser Ratgeber – eine individuelle Beratung ersetzt er nicht.
Was die Berufsunfähigkeitsversicherung absichert
Wer krank wird oder sich verletzt, verliert schnell sein Einkommen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung (kurz BU) soll genau diese Lücke schließen. Das Gesetz regelt in § 172 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), wann die Versicherung leistet: Der Versicherer zahlt, wenn die Berufsunfähigkeit nach Beginn des Versicherungsschutzes eintritt.
Berufsunfähig ist laut § 172 Abs. 2 VVG, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Einschränkung bestand, wegen Krankheit, Körperverletzung oder eines über das altersübliche Maß hinausgehenden Kräfteverfalls voraussichtlich langfristig ganz oder teilweise nicht mehr ausüben kann. Maßstab ist also der konkrete Beruf, nicht jede beliebige Arbeit.
Warum die gesetzliche Absicherung oft nicht reicht
Laut Verbraucherzentrale (Stand Januar 2025) gibt es für Menschen, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, nur noch die Erwerbsminderungsrente. Diese liegt im Durchschnitt unter dem Grundsicherungsniveau.
So funktioniert die Erwerbsminderungsrente
Laut test.de (Stand September 2025) erhalten Sie die volle Rente, wenn Sie dauerhaft weniger als drei Stunden täglich arbeiten können. Bei drei bis unter sechs Stunden täglich gibt es die teilweise Erwerbsminderungsrente in Höhe der Hälfte der vollen Rente. Voraussetzung sind mindestens fünf Jahre Beitragszeit und innerhalb der letzten fünf Jahre mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge.
Volle Erwerbsminderungsrenten mit Rentenbeginn 2023 lagen nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung laut test.de im Schnitt bei 1.059 Euro im Monat. Einzelfälle können deutlich abweichen. Die Erwerbsminderungsrente ist laut test.de keine Berufsunfähigkeitsversicherung: Beide Leistungen haben unterschiedliche Voraussetzungen und sind nicht gleichzusetzen.
Worauf es bei den Vertragsbedingungen ankommt
Die Verbraucherzentrale nennt in ihrem Ratgeber (Stand Januar 2025) mehrere Kriterien, an denen sich eine gute Police messen lässt. Die Unterschiede zwischen Anbietern sind groß: Bei gleichen Leistungen können die Preise laut Verbraucherzentrale um bis zu 200 Prozent auseinanderliegen.
50-Prozent-Grenze und Verzicht auf abstrakte Verweisung
Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt laut Verbraucherzentrale, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich sechs Monate oder länger zu mindestens der Hälfte nicht mehr ausüben können. Außerdem sollte der Versicherer nicht prüfen, ob Sie eine andere Tätigkeit ausüben könnten. Das Gesetz erlaubt eine solche Verweisung ausdrücklich, wenn sie im Vertrag vereinbart ist (§ 172 Abs. 3 VVG). Die Verbraucherzentrale spricht vom „abstrakten Verweisungsverzicht“.
Höhe der Rente
Als Richtwert nennt die Verbraucherzentrale rund 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens. Die Rente sollte die laufenden Kosten decken, die auch im Leistungsfall weiterlaufen, etwa Miete, Haushalt und Altersvorsorge. Die durchschnittliche private BU-Rente liegt laut Verbraucherzentrale bei rund 400 Euro im Monat, was oft nicht ausreicht.
Laufzeit, Dynamik und Nachversicherung
- Laufzeit: Ideal ist laut Verbraucherzentrale eine Laufzeit bis zum 67. Lebensjahr, weil das Risiko im Alter steigt.
- Dynamik: Sie passt die Rente an Einkommenssteigerungen und Inflation an, damit die Kaufkraft nicht schleichend sinkt.
- Nachversicherungsgarantie: Bei Ereignissen wie Heirat, Kinderwunsch oder Hausbau können Sie die Rente ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen.
- Beitragsübernahme: Die selbstständige BU ist laut Verbraucherzentrale meist am sinnvollsten und günstigsten. Im Leistungsfall übernimmt der Versicherer die Beiträge.
So gehen Sie beim Vergleich vor
Bevor Sie Tarife vergleichen, lohnt eine Bestandsaufnahme: Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen, welche Fixkosten laufen weiter, und bis zu welchem Alter möchten Sie abgesichert sein? Mit diesen Angaben können Sie im Vergleichsrechner Tarife nebeneinanderlegen und prüfen, ob die oben genannten Kriterien enthalten sind. Lesen Sie anschließend die Vertragsbedingungen sorgfältig, denn Preis und Leistung unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter.
Gesundheitsfragen und Vorerkrankungen
Beim Abschluss müssen Sie Gesundheitsfragen vollständig und richtig beantworten. Andernfalls kann der Versicherer laut Verbraucherzentrale vom Vertrag zurücktreten. Versicherer bewerten Vorerkrankungen unterschiedlich. Mit einer anonymen Risikovoranfrage lässt sich vorab klären, zu welchen Konditionen ein Vertrag möglich wäre.
Gut zu wissen: Günstige Starterpolicen sind laut Verbraucherzentrale in den ersten Jahren billiger, werden danach aber teurer. Der Schutz sollte trotzdem bis zum Ruhestand reichen.
Alternativen, wenn keine BU möglich ist
Nicht jeder erhält eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Verbraucherzentrale (Stand März 2026) nennt dann zuerst eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mit stark vereinfachter Gesundheitsprüfung, danach eine Grundfähigkeitsversicherung. Die Dread-Disease-Versicherung zahlt bei vertraglich festgelegten schweren Krankheiten einmalig eine Summe, aber keine monatliche Rente. Schäden am Bewegungsapparat, Rheuma und psychische Erkrankungen sind dort meist nicht abgedeckt. Als echten Ersatz für die BU sieht die Verbraucherzentrale sie deshalb nicht.
Fazit
Die gesetzliche Rente fängt Berufsunfähigkeit für nach 1961 Geborene nur über die Erwerbsminderungsrente auf, und die fällt oft niedrig aus. Bei der BU lohnt der genaue Blick auf Leistungsschwelle, Verweisung, Rentenhöhe, Laufzeit und Dynamik. Als Tippgeber bieten wir keine Beratung, sondern Orientierung: Mit einem Vergleichsrechner sehen Sie, welche Tarife zu Ihren Angaben passen. Weitere Grundlagen zur privaten Absicherung finden Sie in unserem Ratgeber zur Privathaftpflicht.
Häufige Fragen
Ab wann gilt man als berufsunfähig?
Nach § 172 VVG, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich langfristig ganz oder teilweise nicht mehr ausüben können. Eine gute Police zahlt laut Verbraucherzentrale ab einer Einschränkung von 50 Prozent; die genauen Details stehen immer in den Vertragsbedingungen.
Reicht die Erwerbsminderungsrente aus?
Laut test.de lag die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente bei Beginn 2023 bei 1.059 Euro monatlich nach Kranken- und Pflegeversicherung. Ob das reicht, hängt von Ihren Kosten ab.
Was passiert bei falschen Angaben zur Gesundheit?
Der Versicherer kann laut Verbraucherzentrale vom Vertrag zurücktreten. Beantworten Sie die Fragen deshalb vollständig und richtig.
Kann ich die Rente später erhöhen?
Mit einer Nachversicherungsgarantie ist das bei bestimmten Ereignissen wie Heirat oder Hausbau ohne neue Gesundheitsprüfung möglich.
Quellen
- § 172 VVG – Gesetze im Internet
- Verbraucherzentrale: Berufsunfähigkeit – Wie Sie sich gegen Verlust des Einkommens absichern (Stand Januar 2025)
- test.de: Erwerbsminderungsrente – Anspruch, Antrag, Rentenhöhe (Stand September 2025)
- Verbraucherzentrale: Dread-Disease-Versicherung (Stand März 2026)
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